
Immer wieder befragen mich unsere Gäste danach, wie ich dazu gekommen bin, unsere Sprachenschule mit Pension in Samota (Koreiz) aufzubauen. Vieles läßt sich nur schwer erklären, da mein Weg nicht nur auf persönlichen Entscheidungen und Ideen beruhte. Er wurde auch stark geprägt durch die turbulenten politischen Entwicklungen seit Beginn der Perestroika in der damaligen UdSSR und wird auch weiterhin vom anhaltenden Transformationsprozess unseres ukrainischen Staates beeinflußt. Somit vermag ich Ihnen an dieser Stelle nur einen kurzen Eindruck zu vermitteln.
Nach jahrzehntelanger Politik staatlich gelenkter Wirtschaft wurde im Sommer 1990 unter der Regierung Gorbatschows plötzlich die gesetzliche Möglichkeit geschaffen, sich als Kleinunternehmer selbständig zu machen. Ich war derzeit in Moskau tätig und der "Wind der politischen Veränderungen" hatte mich bereits ahnungsvoll erfaßt. So ergriff ich die Chance und reiste nach Hause auf die Krim, um in Simferopol meine eigene Firma "Valentina Muschinskaya" registrieren zu lassen.
Meine beruflichen Erfahrung in der Touristikbranche, die vielfältigen geistigen Anregungen während meines sich anschließenden Studiums in Moskau und die nun aufkeimende politische Perspektive einer erneuten Öffnung des "Fensters nach Europa" inspirierten mich zu meiner Idee: Bildungstourismus!
Ich wollte ausländischen Touristen individuelle Kultur- und Sprachreisen auf die Krim anbieten, als Alternative zum gängigen Massentourismus. So basierte mein Konzept darauf, für die Gäste Sprachkurse für Russisch, aber auch für Ukrainisch und Krimtatarisch auf akademischem Niveau zu organisieren und ihnen gleichzeitig eine Unterkunft bei uns als Gastfamilie zu bieten.
Zunächst wieder nach Moskau zurückgekehrt, begann ich bereits, Kontakte zu westeuropäischen Reiseunternehmern zu suchen.
Als 1991 die Sowjetunion aufgelöst und im Zuge dessen die Ukraine zu einem selbständigen Staat wurde, fiel dadurch auch unweigerlich meine Zukunftsentscheidung: Ich kehrte endgültig zurück auf die Krim. Neben dem alltäglich zu bewältigenden Existenzkampf in den ersten drei Jahren der Hyperinflation gelang es mir, effiziente Verbindungen zu Privatpersonen und Reisebüros im Westen zu knüpfen. Und so konnten wir 1993 unsere ersten Sprachkurs-Gäste in Simferopol begrüßen.
Voller Enthusiasmus erwarb ich 1994 mit Hilfe eines Kredits ein Grundstück in Samota (Koreiz) an der Südküste der Krim und wir erbauten unsere heutige Pension mit der integrierten Sprachenschule. Die Fertigstellung zog sich hin bis in das Jahr 2000. Denn auch der geringen Infrastruktur und der schwierigen wirtschaftlichen Lage musste Rechnung getragen werden: So entschieden wir uns für die komplizierte Installation einer Autarkie gewährleistenden und gleichzeitig umweltschonenden Solaranlage und leisteten den Hausbau unter fachmännischer Beratung zu großen Teilen in Eigenregie.
Währenddessen ging ich gleichzeitig mit unserer Sprachenschule durch Höhen und Tiefen:
Ende 1997 verloren wir unseren bis dahin wichtigsten Partner "Pinkus" in der Schweiz, der uns als erster regelmäßig Gäste vermittelt hatte und nun aus wirtschaftlichen Gründen seine Buchhandlung mit großem russischem Sortiment aufgeben mußte. Nach Übernahme dieses Geschäfts (heute "PinkRus") durch einen neuen Besitzer entwickelte sich dann aber erneut eine, bis heute tragende Zusammenarbeit. Und peu á peu gewann ich dann auch neue Partner aus Deutschland und England hinzu.
Vor allem aber wurde uns von treuen wiederkehrenden Gästen sowie durch die Begeisterung neu hinzugekommener BesucherInnen immer wieder neuer Mut geschenkt
Mittlerweile blicken wir auf 16 arbeits- wie lehrreiche Jahre zurück.
Dank dieser Jahre verfügen wir heute über viel Erfahrung, über ein gut eingespieltes Team und Gäste, die immer wieder gerne zu uns kommen.
Nicht zuletzt, weil wir unser Land selbst sehr lieben, glauben wir daran, dass die Krim mit ihrem speziellen historischen und kulturellen Hintergrund und ihrer landschaftlichen Schönheit für Reisende attraktiv ist.
Wir sehen es als unsere Aufgabe, Menschen auf unser Land, unsere Kultur und unsere Sprachen aufmerksam zu machen und sie dafür zu begeistern. Diese Idee möchten wir beibehalten, aber auch weiterentwickeln.
Valentina Muschinskaya